Cuore - Arbeit© und Phronetik® Irmgard Maria Starke
Cuore - Arbeit©und Phronetik® Irmgard Maria Starke

 

Prozessorientierte phronetische Naturbildarbeit

 

von

 

Irmgard Maria Starke

 

 

 

 

 

Die prozessorientierte phronetische Naturbildarbeit ist ein Tool der Cuore-Arbeit© von Irmgard M. Starke .Sie verknüpft primäre Objektarbeit und energetische Aufstellungsarbeit zu einem Prozess, der Heilung und Wandlung und ist als Einzelbegleitung konzipiert .

Sie kann sowohl in der freien Natur als auch in einem Praxisraum durchgeführt werden. Im Idealfall sollte dieser Raum eine genügend grosse Fläche bieten, das Naturbild auflegen zu können und genügend Raum, dass sich der Klient auf die zur Verfügung stehenden Materialien zu bewegen muss.

 

 

Die Arbeit mit und in der Natur regt die natürlichen Entfaltungs- und Entwicklungsprozesse des Menschen durch den Kontakt mit den Elementen, Pflanzen, Tieren und Materialien der Natur an. Durch die Beziehung zu natürlichen Materialien und den Lebewesen, die uns auf unserem Weg in der Natur begegnen, öffnet sich der intuitive Zugang zu uns selbst.

Immer wieder habe ich in meiner therapeutischen Arbeit Begleiterin und Zeugin sein dürfen, wie Menschen in der Natur aufblühten, lebendiger wurden, Kraft schöpfen konnten. Wie alte Menschen nicht nur die Enge ihres Zimmers verließen und wieder Kontakt zur Welt aufnahmen, sondern sich auch ihre Wahrnehmungs- und Beziehungsmöglichkeiten weiteten. Wie Menschen die durch ihren Alltag ausgelaugt und psychisch wie auch emotional dursteten und hungerten, in der Natur zunächst im Außen die nährenden Quellen fanden. Sie spürten wieder Boden unter den Füssen, hielten inne, lauschten , erfreuten sich an sprudelnden Bächen, duftenden Wiesen.

In einer weiten Landschaft zu sein regt die innere Ausweitung an, der Blick über eine Landschaft lässt uns mehr Überblick gewinnen, Zeit in der Natur lässt neue Lebenskraft in uns strömen. Wir erleben die Kraft, die Gesetze von Entwicklung und Wachstum, die Aufeinanderfolge der Jahreszeiten und entspannen uns in eine natürliche Lebendigkeit hinein.

Wir bewegen uns in einer Landschaft ,und Erstarrungen in uns kommen wieder in Bewegung.

Wir sehen flatternde bunte Schmetterlinge und freuen uns an ihnen, werden an unsere eigene Leichtigkeit erinnert.

Das geschieht jedoch nur, wenn wir mit allen Sinnen unsere Umgebung wahrnehmen, achtsam und präsent sind und uns persönlich ansprechen lassen von dem, was wir sehen und von dem, dem wir begegnen.

 

Viele Menschen unserer Zeit haben sich jedoch so an die konstruierten und künstlichen Räume ihres Lebens gewöhnt, dass sie Vorstellung mit Realität und Events mit der Wirklichkeit des Lebendigen verwechseln. Sie suchen in der Natur die Erfüllung ihrer eigenen Gedanken und Bilder, verstehen es jedoch nicht mehr, der natürlichen Welt wirklich zu begegnen und zu spüren, dass sie Teil dieser Kräfte und Wirksamkeiten sind, die sie umgeben.

 

Ingeborg Bachmann hat diesen Zustand der Entfremdung in einem Gedicht beschrieben:

 

In den Bäumen kann ich keine Bäume mehr sehen.

Die Äste haben nicht die Blätter, die sie in den Wind halten.

Die Früchte sind süß, aber ohne Liebe.

Sie sättigen nicht einmal.

Was soll nur werden?

Vor meinen Augen flieht der Wald,

vor meinen Ohren schliessen Vögel den Mund,

für mich wird keine Wiese zum Bett.

Ich bin satt vor der Zeit und hungere nach ihr.

Was soll nur werden?

Auf den Bergen werden nachts die Feuer brennen.

Soll ich mich aufmachen, mich allem wieder nähern?

 

 

Mit der letzten Zeile weist sie auf eine bemerkenswerte Tatsache hin:

 

Zunächst einmal müssen wir uns auf den Weg machen, gehen, in Bewegung kommen – einen ersten Schritt tun – und wir müssen uns den natürlichen Materialien, den Lebewesen und Pflanzen, denen wir auf unserem Weg begegnen öffnen, uns aufmachen. Dann zeigt sich der intuitive Zugang zu uns selbst und es eröffnen sich neue Möglichkeiten, uns selbst kennen zu lernen.

 

Jeder Mensch trägt tief in sich das Wissen um sich selbst, um seine Kräfte und Talente und weiß, welcher Weg der passende für ihn ist. Er weiß auch tief im Innern, was ihn hindert, seinem Weg mit Freude und Kraft zu folgen, die nächsten Schritte zu setzen oder einfach leichtfüßiger zu werden, unnötigen Ballast zurückzulassen.

Er weiß, was ihn gekränkt hat und kränkt, was ihn krank macht, was ihn verstört und behindert.

 

Doch dieses Wissen ist häufig verstellt oder verschüttet.

 

Die Begegnung mit der Natur hilft uns, dieses Wissen wieder freizulegen, sie hilft uns, uns an unsere eigenen natürlichen Wachstums- und Heilkräfte zu erinnern und zeigt uns Möglichkeiten, diese zu stärken und der eigenen Lebensbewegung wieder zu folgen.

 

Dass dem so ist, ist nicht neu, ganz im Gegenteil, es hat eine sehr alte Tradition. Dem heutigen Erkenntnisstand nach eine über 20 000 Jahre alte Tradition[1]. In manchen Kulturen wurde dieses Naturverständnis bis heute tradiert. In diesen Kulturen sind sich die Menschen bewusst, dass die Entfaltung des Lebens des Menschen nicht zu trennen ist von der Entfaltung des Lebens insgesamt und die Natur des Menschen ein Ausdruck der Natur alles Lebendigen ist.

 

Doch in den Kulturbereichen, die der Trennung von Geist Körper und Psyche gefolgt sind, der Priorität des Denkens und den Konzepten von Subjekt und Objekt wurde die Natur des Menschen als etwas grundsätzlich Getrenntes von der Natur nichtmenschlichen Lebens gesehen. In Relation zu der Zeitspanne, die der Mensch schon auf der Erde existiert ist dies zwar eine kurze Zeit, doch dieses Menschen- und Weltbild hatte innerhalb kürzester Zeit enorme Auswirkungen, was den Umgang mit der Natur und die Einbeziehung der natürlichen Heilkräfte betrifft. Die Folge war eine tiefe Entfremdung von der natürlichen Dynamik von Lebensprozessen.

 

Erst seit einigen Jahren setzt sich ein erneuter Paradigmenwechsel[2] durch , der Körper Geist und Psyche als Ganzheit sieht, der die kategorische Subjekt-Objekt-Trennung aufweichte und mittlerweile in einigen Wissenschaftsbereichen wie z. B. der Physik, der Biochemie und der Hirnforschung auch wieder auflebt.

 

Auch im Bereich der bildenden Kunst zeigte sich in diesen Jahren ein neuer Umgang mit der Natur. Nachdem in den 60er Jahren noch Earthwork Künstler wie z.B. Walter de Maria, Robert Smithson oder Michael Heizer massive Eingriffe und Umwandlungen von Naturlandschaften vollzogen, brachte die Naturkunst und Environmental-Art, die

Anfang der 70er Jahre durch europäische Strömungen entstand eine Ausgestaltung der Landart welche die Natur und ihre Ästhetik mehr in den Vordergrund stellt.

Vorhandene Strukturen in der Natur werden erkannt und in einen künstlerischen Zusammenhang gebracht. Verarbeitet werden ausschließlich natürliche Materialien die vor Ort gefunden werden, Hilfsmittel und künstliche Gegenstände werden nicht eingesetzt. Auch die europäischen Naturkünstler benutzten wie die amerikanischen Pioniere der Landart die Fotografie als Medium und zur Dokumentation für ihre Kunst. Im Gegensatz zu den Earthworks die die Natur radikal umformten sind diese Naturkunstwerke in der Regel einfühlsame Eingriffe die im Einklang mit der Natur stattfinden.

Andy Goldsworthy ist einer der Künstler die dies vollziehen.

Das Bewusstsein über den ständigen Wandel und die Vergänglichkeit in der Natur sind ein zentrales Thema seiner Arbeiten. Die Veränderungen werden fotografisch festgehalten um längerfristige Entwicklungen zu dokumentieren. Die Fülle der dabei verwendeten Materialien ist scheinbar grenzenlos, Goldsworthy überrascht immer wieder mit neuen Inspirationen. Neben zahlreichen Ausstellungen weltweit wird seine Arbeit hauptsächlich durch die urwüchsige Natur Schottlands geprägt in der er seit Jahren fest verwurzelt ist.

 

Der Dokumentarfilm Rivers and Tides gibt einen kleinen Einblick in die Arbeitsweise des Naturkünstlers. Man kann dort sehr schön beobachten wie Goldsworthy beim Bauen seiner Kunstwerke ein Spannungsfeld aufbaut, ein Bewegen bis an die Grenze bzw. bis zum gewünschten Ergebnis. Aber auch das Scheitern gehört zu diesem Prozess, was gerade bei sehr aufwendigen Balance-Kunstwerken oft der Fall ist. Auch vor extremen Wetterbedingungen oder schwierigen Orten schreckt Goldsworthy nicht zurück, je größer das Spannungs-feld oder die Bedrohung des Kunstwerkes durch die Natur desto anspruchsvoller der Erschaffungsprozeß und das Ergebnis.

Als gelungen bezeichnet Goldsworthy ein Kunstwerk wenn es eine untrennbare Einheit mit dem Entstehungsort eingeht.

 

Diese Aspekte der Naturgestaltung Bewegen, Balance, Arbeit am Erschaffungsprozess, Bedrohung und Scheitern wie auch die Erfüllung in die Einheit des Entstehungsortes finden sich ebenso in den Selbstgestaltungsprozessen wieder. Naturgestaltung und Selbstgestaltung in aller Achtsamkeit verschränken sich und die Qualitäten der Gestaltung im Außen werden zu Qualitäten im Innen.

 

Die Erfahrungen mit dem Prozess der Gestaltung mit der Natur und in der Natur werden zur Selbsterfahrung. Die Gestaltung in der Natur ist Selbstgestaltung.

 

 

Die Erfahrung, dass der Prozess, der als Dialog beginnt zu dem Erleben des gemeinsamen Entstehens führt, bewirkt tiefe Erkenntnisprozesse. Zunächst tue ich etwas und meine, ich setze einen Impuls in die Natur und dann erhalte ich durch das, was dann geschieht oder wie es mir in der Form erscheint eine Antwort. Dann merke ich, dass ein großer Teil dieser Antwort schon in meinem Tun enthalten war – das führt zwangsläufig zu der Erfahrung dass es ein unabhängiges Subjekt und davon unabhängiges Objekt nicht gibt.

 

Dieser Fakt, dass es ein unabhängiges „Subjekt“ und ein davon unabhängiges „Objekt“ nicht gibt ist eine der Grundlagen der phronetischen therapeutischen und heilenden Arbeit mit und in der Natur und damit auch der prozessorientierten phronetischen Naturbildarbeit.

 

Eine weitere wichtige Basis ist das Verständnis für die verschiedenen Lebewesen. Für die Steine, Pflanzen, Tiere – ihre Kraft, ihre Lebensweise, ihre Heilkraft. Um mit ihnen therapeutisch zu arbeiten müssen wir sie kennen lernen und auch selber erfahren, spüren, welche Seite sie in uns berühren und wecken. Dann können wir auf die Suche gehen und altes Wissen und alte Weisheit voller Neugierde wiederentdecken. Zunächst machen wir uns kundig, welche Eigenschaften die Pflanze, das Tier, der Stein hat . Dann schauen wir uns die Lebensweise dieses Lebewesens an und schließlich seine Bedeutung in den verschiedenen Kulturen und die Geschichten, die sich um die ihm innewohnenden Eigenschaften ranken.

Dies geschieht mit offenem „Anfängergeist“ [3]und tiefem Respekt vor den vielfältigen Lebensformen, ihren Stärken und ihren Geschenken die sie uns machen können.

 

Erst mit diesem Verständnis kann der Begleiter der phronetischen prozessorientierten Naturbildarbeit die Repräsentanten und ihre innewohnenden Qualitäten in Bezug auf die Thematik des Klienten erkennen.

 

Ohne die tiefe Verbindung des Therapeuten mit der Natur und ein tiefes Verständnis für die Natur hätte seine Arbeit nur instrumentellen Charakter und er würde in den Repräsentanten nur Gegenstände mit symbolischen Charakter sehen können oder ausschließlich den nährenden Charakter der Natur nutzen. Wenn aber die Natur zur blossen Ressource wird und wir das, was sie uns bietet nur als nützliche Gegenstände sehen würden, dann wäre die therapeutische Naturarbeit nur eine weitere Form der Ausbeutung.

 

Doch in dieser Arbeit geht es nicht darum, die Natur zu benutzen, sondern mit ihr in einem gemeinsamen Feld zu schwingen. Dann kann die Natur und dann können die Materialien aus der Natur ihre Wirksamkeit entfalten und der Klient wieder einen Zugang zu seiner eigenen Natürlichkeit, zu seinen Stärken und Talenten und zu seiner Lebensbewegung finden.

 

In der achtsamen Begleitung eines phronetischen Kunsttherapeuten eröffnet sich dem Klienten die Erkenntnis, dass sein Erleben, sein Blick, seine Wahl bezüglich der Repräsentanten sein eigenes Erleben, seine eigenen Konzepte aber auch sein tiefes Wissen um sich selbst widerspiegeln: Sein Inneres kommt ihm im Außen entgegen.

 

Dieses Innere ist nicht nur durch das eigene Erlebte und Erfahrene geprägt. Oft scheitern alle Bemühungen, die Lebensenergie wieder ins Fliessen zu bringen oder den wahren Grund einer Verstörung zu erkennen an der Tatsache, dass der Mensch ein zutiefst soziales Wesen ist. Er ist in ein System lebender und verstorbener Menschen eingebunden.

Der Grund einer Verstörung liegt oft tief in der Familiengeschichte und im Unbewussten verborgen.

 

Joachim Bauer legt in seinem Buch über die Bedeutung der Spiegelneurone [4] dar, wie die Eltern mit ihrer DNS nicht nur körperliche Voraussetzungen, sondern auch ihre Erfahrungen vererben. Eine alte Weisheit besagt, dass jede Entscheidung, die getroffen wird Auswirkungen auf mindestens 7 Generationen hat. Ebenso steht das jetzt gelebte Leben eines Menschen in der Folge von mindestens 7 Generationen. Anne Ancelin Schützenberger beschreibt diese unbewusste Verbindung mit unseren Vorfahren und wie deren Leben und Schicksal in uns weiterwirkt in ihrem Buch .“Oh meine Ahnen!“[5]

 

Dieser Tatsache trägt die phronetische Naturbildarbeit Rechnung, indem sie mit dem Auflegen von einem Stein als Repräsentanten für den Klienten - dieser Stein wird „Ich“ genannt - beginnt und danach die Repräsentantensteine für die Eltern , die wichtigen Personen eines Systems entlang des Themas des Klienten und die im Vorgespräch erarbeiteten Verhinderungen und Ziele gelegt werden.

 

Aufgelegt wird auf einer genügend grossen Fläche, die den Bilduntergrund bietet. . Der Bilduntergrund kann z.B. ein neutraler einfarbiger Teppich in erdigen Tönen sein.

 

  1. Phase : Auflegen der Steinrepräsentanten für die konstituierenden Personen und Bestandteile des Systems und Themas.

 

Nachdem die Basislinie des Bildes vom Klienten bestimmt wurde, beginnt er mit dem Stein für ihn Selbst, dann Mutter und Vater oder Vater und Mutter, je nach der Thematik, die bearbeitet wird und danach den anderen Steinen.

 

Schon in dieser Phase wird die Dynamik des Systems und die Auswirkungen dessen auf den Klienten deutlich sichtbar und erfahrbar. Da dies als Bild gelegt wird, bleibt der Klient in einer gewissen Distanz zu dieser Struktur, kann sie beobachten, seine Gefühle wahrnehmen, seine Körperreaktionen, Gedanken, Glaubenssätze und Muster von Verhaltensweisen, die aus der Dynamik dieses Systems resultieren. Ohne selber ins Feld treten zu müssen sieht er in aller Klarheit die verhindernden Kräfte der aufgelegten Konstellation auf das aufgelegte Ich wirken. Diese Kräfte können schon in dieser Phase aufgegriffen und umgestaltet werden. Indem die Repräsentanten in eine neue Ordnung gelegt werden erfährt der Klient im Tun selber, dass er der alten Ordnung, dem alten System, der damals gemachten Erfahrung nicht weiterhin hilflos ausgeliefert ist, sondern jederzeit seinem Leben eine neue Richtung geben kann.

 

Da mit den wichtigen Menschen, die zu diesem System gehören auch die verstorbenen Menschen repräsentiert sind kann mit dieser Arbeit auch eine nicht gelebte Trauer um diesen Tod oder ein streng gehütetes Familiengeheimnis sichtbar werden, dass alle Familienmitglieder und manchmal mehrere Generationen überschattete.

 

 

 

 

2. Phase: Erkennen und ja-sagen zu bewussten und unbewussten Qualitäten und Verbindungen

Im zweiten Schritt der Arbeit sucht sich der Klient mindestens einen Repräsentanten für die Eigenschaften und Attribute jedes einzelnen Steines. Dafür geht er durch den Raum oder auch hinaus und sucht und nimmt sich die für ihn passenden Materialien – oft rein intuitiv. Selbst wenn scheinbar der kontrollierende und steuernde Ich-Anteil dabei die Führung übernimmt steuert unbewusst das innere Wissen darum „wie es wirklich ist“ die Wahl der Naturmaterialien.

 

Es erscheint mir immer wieder wie ein Wunder, wie innerhalb kürzester Zeit durch die Wahl der Materialien und die Weise, wie sie zu dem jeweiligen Stein gelegt werden selbst zutiefst unbewusste Erfahrungen und Strukturen deutlich werden.

 

Enge und Weite, Kargheit und Fülle, Leblosigkeit und freudige Lebendigkeit , unbewusstes und bewusstes Erbe werden sichtbar, Talente die nicht gelebt wurden sind dennoch repräsentiert, förderliche und hinderliche Qualitäten einer Beziehung werden deutlich.

 

Neben den Materialien aus der Natur steht in meiner Arbeit auch eine kleine „Schatzkiste“ zur Verfügung, in der der Klient wühlen und entdecken kann und in der z. B. Glitzermaterialien, Perlen, Murmeln, rosa und hellblaue kleine Steckelemente und manches mehr ist, dass das innere Kind anregt, wieder zu spielen und „in die Vollen“ greifen zu können. Die Möglichkeit zu wühlen und zu entdecken weckt die Erinnerung an die Abenteuerlust und die Freude, die das innere Kind noch mit dem Leben verband, bis es ihm eingeengt, verstellt oder sie sogar ganz verboten wurde.

 

Ich erinnere mich gerne an die Freude im Prozess einer Klientin, die ein kleines Säckchen mit Murmeln als Repräsentanz für ihre inneren Talente zu ihrem Ich gelegt hatte. Schon bald drängte ihre Lebensbewegung in die Freiheit – der Impuls kam auf, das Säckchen zu öffnen – der einschränkende Gedanke: ich kann doch nicht einfach dies Säckchen aufschneiden wurde auch wahrgenommen.

 

Meine Intervention daraufhin war: „Dazu ist dies Säckchen ja da.“ Voll Freude wurde das Säckchen geöffnet und die Murmeln rollten in alle Richtungen ins Bild. In aller Bewusstheit erlebte die Klientin, wie da ihre Talente ins Leben und in den freien Ausdruck rollten und wie wunderschön das aussah, denn dies Murmeln belebten auch die anderen Bildelemente sichtbar.

 

Nachdem alle Repräsentanten für die Eigenschaften und Attribute gelegt worden sind erklärt der Klient, wofür sie stehen und warum er sie gewählt hat.

 

Er erkennt im Schauen auf das Bild die Wirklichkeit seiner Erfahrungswelt in Bezug auf sein Thema. Dieses Erkennen eröffnet den Weg hinaus aus den bisherigen Verstrickungen, denn wenn ich bisher verdrängt habe, wie es wirklich war kann ich nicht ja dazu sagen. Ich muss es aber zunächst einmal annehmen, akzeptieren dass etwas so ist, wie es ist, um es wandeln zu können.

 

 

 

 

 

3. Phase : erforschen der innewohnenden Kräfte der Repräsentanten und die genaue Untersuchung des eigenen Erlebens

 

Zunächst erforschen wir nun mit dem Klienten alle für sein Thema bedeutsamen Merkmale dieser speziellen Repräsentanz und wie in jeder phronetischen Arbeit auch was in und mit Körper des Klienten wahrgenommen wird, welche Gedanken kommen, welche Gefühle und welche Muster und Glaubenssätze bisher einen Teil unseres Lebens bestimmt haben.

Aktiv gestaltet nun der Klient sein Bild um. Er geht auf die Suche nach einer neuen Ordnung, einer neuen Gestaltung seines Lebens.

In der Naturbildarbeit setzte ich häufig die Intervention:“ wie ist es, wenn Du es so siehst?“

 

Diese Phase ermöglicht die Wandlung alter festgefahrener Identifikationen, Strukturen, Handlungsmuster hin zur Befreiung der eigenen Lebensbewegung, der eigenen Talente und auch der eigenen Aufgaben im Leben, die oft in einem Spannungsverhältnis zu der Dynamik des bisherigen Systems und seiner Anforderungen oder Einengungen stehen.

 

Es geht darum, den Einfluss alter Erfahrungen hinter sich zu lassen und zu neuen Erfahrungen aufzubrechen.

 

Diese Aufgabe kann der Verstand nicht lösen.

 

Im Schauen jedoch darf sich das innere Wissen um die neue fruchtbare Ordnung melden und die Hand führen.

Die Repräsentanten werden solange umgeordnet, bis diese Spannung behoben und das Gesamtbild als passend empfunden wird.

 

Die Attribute wandern jeweils mit, denn sie gehören zu den Personen oder Qualitäten, die aufgelegt worden sind.

 

Auch können in dieser Phase Materialien hinzukommen (jedoch können keine aus dem Bild entfernt werden ), bis der Klient deutlich spürt:“ Jetzt ist es gut“.

 

Dieser Prozess kann von deutlicher Anspannung, von Schmerz und Zorn, Hilflosigkeit, Freude, Begeisterung und liebevoller Achtsamkeit geprägt sein. Durch alle diese Gefühle wird der Klient sanft und aufmerksam weiterhin in der Haltung der aktiven Communio begleitet und mit Interventionen unterstützt, bis er zu einem für ihn stimmigen Bild gekommen ist.

 

In dieser neuen Ordnung wird deutlich sichtbar, dass auch die Komponenten des Bildes ihren Bedeutungsgehalt gewandelt haben. Verhinderung wandelt sich in eine Quelle der Kraft, schmerzliche Erfahrung verliert ihre bestimmender Bedeutung und spannungsgeladene Beziehungen erfahren Versöhnung.

 

Diese Bildgestaltung nimmt der Klient mit allen Sinnen, Körper Seele und Bewusstsein auf und verankert diese Erfahrung auch kognitiv, indem er dem Bild einen Namen gibt.

 

 

 

 

4. Phase : Verfestigung der Präsenz der neuen Beziehungs- und Welterfahrung

 

Eine neue Erfahrung führt alleine noch nicht zu dauerhafter Wandlung. Sie kann sich auch wieder verflüchtigen, wenn nicht auch die Identifikationskräfte des Ichs gelöst werden.

Das Ich ist jedoch erst dann bereit dazu, loszulassen wenn die neue Erfahrung auch vom Bewusstsein voll aufgenommen wurde.

Dazu dient die vierte Phase der Naturbildarbeit.

Der Klient bekommt eine Weile Zeit, alleine mit seinem Bild zu sein um für ihn Wichtiges zu notieren oder das Bild zu fotografieren.

Ich sage dann: „Ich lasse Dich eine Weile, ca 10 Minuten mit Deinem Bild alleine.“ In diesem Satz schwingt der Respekt für die Leistung, die der Klient erbracht hat mit und die Mitteilung, dass dieses Bild wirklich seine Leistung ist, die er vollbracht hat und nun keine Unterstützung mehr braucht in dieser Phase. Es zeigt auch den Respekt vor der Tiefe des erlebten Prozesses und gibt Raum für eine ganz intime Begegnung mit der eigenen Gestaltung.

 

Dies ist die Vorbereitung auf die fünfte und letzte Phase der Arbeit die den Wandlungsprozess vervollständigt.

 

 

 

 

5.Phase: Nicht mehr Identifizieren

 

Nicht mehr identifizieren bedeutet , dass das Ich nicht mehr an der Erfahrung anhaftet, sie nicht fixiert, aus Angst sie wieder zu verlieren, sondern der eigenen Lebensbewegung erlaubt, sich frei zu entfalten.

Ein fixiertes Bild würde dies behindern, denn jede Anhaftung behindert das freie Werden.

Die zweite Qualität von nicht-identifizieren ist, etwas nicht als „mein“ zu betrachten, denn auch das schafft Abhängigkeit statt Freiheit.

 

Deshalb wird der Klient nun liebevoll aufgefordert, alles Gegenstände, die er in seinem Bild platziert hat wieder an den Platz zurückzubringen, an dem er es gefunden oder von wo er es geholt hat.

Auch diese Phase begleiten wir in der Haltung der aktiven Communio, auch wenn wir da auf unserem Sessel sitzen bleiben und nicht mitgehen.

 

Nachdem der Klient den letzten Gegenstand zurückgebracht hat ist die Bildfläche leer.

Die meisten Klienten sind dann sehr erstaunt wenn ich dann die Frage stelle:

 

„Und wie ist es, wenn Du das jetzt so siehst?“

 

Sie sind daran gewöhnt, dass nur Materie ein Gestaltungselement sein kann, nicht aber die Leere.

 

Die Antwort des Klienten zeigt an dieser Stelle, welche Art Samen durch den Prozess entstanden ist.

Einige Klienten sagen :“Es ist frei“, andere: „Es ist aufgeräumt“ oder : Die Energie des Schönen ist immer noch sichtbar“ oder: „Es ist gut“.

 

Allen Aussagen ist eines gemeinsam: Für den Klienten fühlen sie sich freudig, befreit und sicher an.

 

© Irmgard Maria Starke , Zurndorf 22. Juli 2011

 



[1] [1] Vergl. Lechleitner (Hrsg.) Selbstheilungskräfte, Augsburg 1997

[2]Die gebräuchlichste Verwendungsweise des Wortes Paradigma geht auf den Wissenschaftstheoretiker Thomas Samuel Kuhn zurück. Kuhn meint mit Paradigma ein vorherrschendes Denkmuster in einer bestimmten Zeit. Paradigmen spiegeln einen gewissen allgemein anerkannten Konsens über Annahmen und Vorstellungen wider, die es ermöglichen, für eine Vielzahl von Fragestellungen Lösungen zu bieten. In der Wissenschaft bedient man sich in diesem Zusammenhang auch oft Modellvorstellungen, anhand derer man Phänomene zu erklären versucht.

[3] So nennt Shunryu Suzuki die Haltung von Offenheit und Neugierde und schreibt dazu in dem Buch Zenbudhismus und Psychoanalyse:

„Wir bringen unsere Aufmerksamkeit voller Respekt und Interesse auf, nicht um die Welt zu manipulieren, sondern um die Wahrheit zu begreifen. Wenn wir sehen, was wahr ist, wird unser Herz frei.“

 

[4] J.Bauer, Warum ich fühle was Du fühlst, Hamburg 2005

[5] Anne Ancelin Schützenberger, Oh meine Ahnen! Heidelberg 2005

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