Cuore - Arbeit© und Phronetik® Irmgard Maria Starke
Cuore - Arbeit©und Phronetik® Irmgard Maria Starke

 

Aktive Communio

 

Von Irmgard Maria Starke

 

 

Ich habe diese Bezeichnung für die Art und Weise der Begegnung gewählt, weil sie für mich der bestmögliche Ausdruck für diese Art der Einstellung und Beziehung ist, die eine der wichtigsten Grundlagen des phronetischen Wirkens ist. Ich sage bewusst Wirken und nicht Handeln.

Angeregt wurde diese Bezeichnung durch Worte von Jiddu KrishnaMurti aus seiner Schrift: „Das Licht in Dir – über die wahre Meditation“. Diese Worte beschrieben so wundervoll das, was geschehen kann, wenn ich mich dem Lebensstrom öffne. Meinem und dem des Klienten ebenfalls.

„Liebe ist, einem anderen Menschen mit der gleichen Intensität, auf der gleichen Ebene, zur gleichen Zeit zu begegnen. Nicht wahr? Das ist Liebe.Ich spreche nicht von der körperlichen Liebe. Ich spreche von der Liebe, die weder Verlangen noch Vergnügen ist. Jemandem zu begegnen, der die gleiche Intensität, das gleiche Verständnis von Zeit, die gleiche Leidenschaft mitbringt – das ist Liebe.

Wenn diese Liebe da ist und ihr Geist diese Qualität von Stille hat, findet Kommunikation ohne Worte statt. Diese Kommunikation ist in Wirklichkeit eine Kommunion, bei der man etwas miteinander teilt, das nicht in Worte gefasst werden kann. In dem Augenblick, in dem sie es in Worte fassen, ist es schon entschwunden, denn das Wort ist nicht das eigentliche.“

Diese Gestaltungsmöglichkeit des Zwischenraumes, in dem der GANZE Raum mit einbezogen wird, in dem ich mich als Ganzes mit dem Ganzen in Liebe auf einander beziehe, das ist aktive Communio. Aktiv, weil ich wach, aktiv sein muss, um dies Einzigartige, Neue zu sehen. Es kein Wiedererkennen vom mind her. Diese Haltung lässt einen Vorgang zu, in dem keine meiner bisherigen Erfahrungen die Wahrheit des Jetzt überfärben. Gleichzeitig ist es eine Haltung, die keinen Nutzen aus dieser Begegnung ziehen möchte. Darin liegt eine große Freude, ein Entzücken, das dem Auge, dem Kopf, dem Herzen und dem Bauch die Eigenschaft der Unschuld verleiht. Die Bereitschaft zur Fülle, zum Wertfreien, zum Möglichen. Dem Leben nicht diese Möglichkeit des Neuen zuzugestehen würde es schablonenhaft machen, voller Langweile, gänzlich sinnlos. Das tägliche Leben und die verborgenen Kämpfe mit ihrem widersprüchlichen Wünschen und Motiven schaffen einen begrenzten Raum. Aktive Communio lässt diese Begrenzung und eröffnet einen Raum, in dessen Weite der Verstand nicht gelangen kann – einen Raum des Schweigens. Herz und Geist verbinden sich und der Mensch wird anders. Sein Lebensgefühl umfasst dann einen unendlichen Raum.

Einen Raum, in dem die Liebe und die Lebensbewegung in all ihrer Kraft aufblühen und frei sein kann. Nicht die Liebe zu einem oder zu vielen. Der unerschöpflichen Liebe. Ein Raum, in dem ein Mensch zu sich selber eindringen kann, sich ent – decken darf ohne Angst. Er beginnt an der Oberfläche und geht tiefer und tiefer, bis Tiefe und Höhe ihre Bedeutung verloren haben und ein Friede erfahren wird, der Ordnung, Maß, Schönheit und Fülle kraftvoll in sich trägt. In der aktiven Communio liegt eine große Verletzbarkeit – und gerade deswegen ist sie so unzerstörbar und lebendig.

Man kann sie nicht erkennen man muss sie beginnen und leben, ohne etwas über sie zu „wissen“ – es ist ein Zustand der Unschuld, der Vor-urteilsfreiheit – bei allen, die sich so begegnen.

In dieser Begegnung ist es so, als ständest Du an einem Fluss und der Andere oder das Andere auf der anderen Seite des Flusses. Es bringt nichts, sich mit Deinem Ufer oder dem Gedanken zu beschäftigen, wie Du den Fluss überqueren kannst. Aktiv ist nur Dein Wissen, DASS Du ihn überqueren möchtest – das Wie ergibt sich dann von selber. Du springst ins Wasser – Du denkst nicht mehr wo Du bist, wohin Du gehst und welches Ziel Du hast – das Ziel leitet Dich von selber – und Du schwimmst ihm zuversichtlich entgegen, lässt Dich von dem Wasser tragen. Aktive Communio hat kein Verlangen – kein Wollen, keine Vision, sie macht die Ereignisse nicht zu fixen Erfahrungen, folgt nicht dem gewohnten Prozess des Wiedererkennens und der Reaktion in Form von Zuneigung und Ablehnung. Sie folgt keinem Außen – sondern dem Innen. Der Geist, der Erfahrung sucht oder Erfahrung vermitteln möchte geht nach außen – doch das Außen ist nur der Rahmen, in dem etwas geschehen kann. Nach innen zu gehen bedeutet: nichts mehr zu suchen; es ist unmittelbares Wahrnehmen. Keine intellektuelle Tat mehr. Sie verlangt eine Einsicht in das Zusammenspiel von Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln in unserem gelebten Tag und Moment. Sie zeigt auch die Bereiche der persönlichen Ängste, die die Grundlage für ein selbstbezogenes Denken sind. Doch nur wenn wir unseren Widerstand aufgeben unseren Ängsten gegenüber, und auch denen der anderen, können wir uns und den Anderen erkennen ohne die Bindung der Traditionen. In der aktiven Communio verlieren die Traditionen ihre einschränkende Kraft und werden zu dem, aus dem heraus wir geworden sind. Dieses Bewusstsein öffnet den Raum zu wirklicher Freiheit, Schönheit, Liebe und Rückanbindung (religio) die keinen Glauben hat und keine Autoritäten, sondern im Schweigen des Denkens Kontakt zu dem bekommt, was größer ist, als das, was das Denken erfassen kann: das Leben. Aktive Communio ist lebendiges Mitschwingen – mit dem Leben und dem Gegenüber.

Sie ist für diesen Moment vollständig. Sie ist nicht geteilt. Sie impliziert damit auch die Verantwortlichkeit für alles Existente, auch wenn diese Verantwortlichkeit gedanklich nur fragmentarisch nachvollziehbar ist. Es gibt keinen Beobachter mehr, keinen zu Beobachtenden – keine Erinnerung, keine Erfahrung, die aus Wissen abgeleitet werden und die alle der Vergangenheit angehören. Es gibt DIESEN einzigartigen wertfreien Moment des lebendigen Daseins, ein Miteinander in Liebe, ohne das Ideale oder Vorstellungen uns von uns selbst und unseren Möglichkeiten ablenken.

Es gibt Mitgefühl – doch kein Mitleid oder einen Konflikt.

Und ganz wichtig: Sie ist außerhalb der Zeit, denn Zeit im psychologischen Sinn und chronologischen Sinn wird erst durch unser Denken künstlich erschaffen. Durch unsere Vorstellung von dem, was in Zukunft sein sollte wird unsere Aufmerksamkeit, unser Leben im Jetzt auf eine imaginäre Zukunft verlagert und mit ihr unsere Konflikte, Probleme und Wünsche. Das verhindert ein tiefes Erkennen der jeweiligen jetzigen Situation. Auch im therapeutischen Setting.

Aktive Communio heißt also: Nimm das Denken weg und gib der natürlichen Vernunft und dem tiefen Wissen Raum.

Denn Zeit existiert nur dann, wenn es Denken gibt. Nicht das Denken ist übrigens das Problem, sondern die Bindung daran. Dann werden wir zu Sklaven unserer Vergangenheiten oder Zukünfte. Aktive Communio geschieht im Jetzt ohne Vergleich – ohne Wertungen wie „Gut“, „Besser“ oder „Schlechter“; denn das würde die Sicht auf diesen Menschen jetzt verstellen – und die auf uns selber auch. Es verstellt die Sicht auf die wirkliche jetzige Realität dessen, was ist.

Aktive Communio bedeutet auch: Alle Beteiligten entdecken diesen Raum auf ihre Weise, entdecken ihre Freiheit des Erkennens. So kann es kein Konzept geben, keine Leitlinie nach der es zu handeln gälte oder die immer einzuhalten wäre. All das entsteht im dem speziellen Moment der Begegnung – aktive Communio ist für mich eine Kunst – ich kenne künstlerische Werke die aus dieser Bereitschaft zu lieben, frei zu sein von Fixierungen und Wertungen mit dieser Freiheit entstanden sind – von KlientInnen und von KünstlerInnen und auch von mir selber.

Aus der Grundlage dieser Haltung heraus und, dass sie im kunsttherapeutischen Feld immer wieder geschätzt wird, Funken von Licht in so manche Institution bringen kann, entspringt meine tägliche Freude an der Kunsttherapie. Und immer wieder neu die Freude daran, wie Ihr diese Freude in Eurem Leben und dem der Menschen, die Ihr begleitet hervorruft.

 

Es ist eine Haltung aus dem Bewusstsein heraus, nicht getrennt zu sein – eine Haltung, die wir Menschen seit Jahrtausenden kennen und seit Jahrtausenden Grundlage für Heilung war. Vieles von diesem alten Wissen scheint verloren gegangen zu sein, weil die Haltung des Haben-Wollens, des Festhalten-Wollens, des Besitzen-Wollens überhand genommen hat. Und doch liegt dieses tiefe Wissen weiterhin in jedem Menschen. Durch die aktive Communio machen wir den Kanal zu diesem tiefen Wissen in uns wieder frei.

 

Mit den Erkenntnissen der neuesten Forschungen im Bereich der Biochemie, der Medizin, der Hirnforschung, der Erforschung komplexer Systeme und der Physik wird dieses alte Wissen wieder bestätigt und aus einem „modernen“ Focus heraus wieder entdeckt. Die Heilsamkeit der aktiven Communio ist zum Beispiel auch durch die erst seit kurzem intensiv erforschte Protonenresonanz erklärbar.

 

Mich freuen diese Sichtweisen der Forschung und all diese Entdeckungen natürlich sehr – denn sie schaffen unserem „modernen“ Bewusstsein Brücken zur Wiederanbindung an das Wissen, was in uns liegt – unser Wissen um das Leben und das, was wirklich lebensförderlich ist und was lebensverhindernd.

 

Und das ist die eigentliche Grundlage der aktiven Communio: Das Leben und damit auch Gaya zu lieben und das Leben liebend zu leben.

 

 

 

© Irmgard Maria Starke 04.01.2009

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